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Auf & davon

Eine Postkarte aus München

von Hanneke Roodbeen

Grüß Gott,

seit dem 4. April darf ich München meine Heimatstadt nennen. Ich fühlte mich auch tatsächlich schon bald daheim. Es gibt hier auch so viel zu tun und zu erleben, dass die Zeit fehlen würde, jegliche Art von Heimweh zu spüren.

Ich studiere an der Ludwig-Maximilians-Universität (von allen verständlicherweise als LMU angedeutet), dort belege ich eine Menge unterschiedlicher Kurse. Das Angebot ist ungeheuer groß und es gibt eine Unzahl interessanter Kurse. Bei Germanistik lerne ich in einem Seminar die Grundlagen das Mittelhochdeutschen, wobei das Niederländische oft eine große Hilfe ist. In einem anderen Seminar beschäftigen wir uns mit den Lutherdarstellungen in der Literatur des 19. Jahrhunderts, was vollkommen passend ist im Lutherjahr 2017. Da Geschichte mein zweites Hauptfach ist, belege ich auch hier in München einige geschichtswissenschaftliche Kurse. Unter anderem eine Übung zur Wissenschaftsgeschichte und Theorie des 20. Jahrhunderts und eine Vorlesung zur Neuordnung Europas nach dem Ersten Weltkrieg stehen in diesem Bereich auf dem Programm. Besonders reizend finde ich auch die Vorlesungen zur Kirchengeschichte, die ich bei der Evangelisch-Theologische Fakultät besuche.

Seine Freizeit kann man in München auf die unterschiedlichsten Weisen verbringen. Meine Münchner Abenden sind von Musik- und Sprechtheater geprägt. Am Max-Joseph-Platz sind das Nationaltheater (Oper & Ballett) und das Residenztheater (Schauspiel) angesiedelt. Auf die Opernbesuche hatte ich mich im Voraus schon sehr gefreut, und sie entsprechen allen Erwartungen. Im dritten Rang gibt es wunderschöne Stehplätze, von wo aus man die Bühne (alles zwar in Miniatur) überblicken kann, und wo die Klangqualität auch hervorragend ist. Nicht nur ich, sondern auch viele Münchner und Besucher der Stadt sind übrigens begeistert, was bedeutet, dass ein Opernbesuch frühzeitige Planung erfordert.

Bei dem benachbarten Residenztheater ist es einfacher, bezahlbare und gute Plätze zu bekommen. Bevor ich nach München kam, hatte ich noch nicht so oft Schauspiele besucht. Seit ich dem ersten Mal im Residenztheater war, habe ich ‚meinen Rückstand‘ aber rasch nachgeholt. Das Schauspiel fasziniert mich. Jedes Mal wenn ich ein Stück gesehen habe, gehe ich mit neuen Gedanken und Erwägungen nach Hause. Manche Geschichten die ich zu kennen glaubte, habe ich ganz neu zu betrachten gelernt. Das große Residenztheater und das kleinere Marstalltheater sind, alles in allem, während der letzten Monaten praktisch mein Wohnzimmer geworden. Übrigens ertönt im Residenztheater auch Musik. In dem Programm Michele singt, Paolo Conte nicht interpretiert Residenztheaterensemblemitglied Michele Cuciuffo Lieder vom italienischen Sänger Paolo Conte. Der Abend war sicher einer der Höhepunkte meiner bisherigen Münchner Zeit. In dem Moment konnte ich auch unmöglich daran zweifeln, dass ich mich in der ‚nördlichsten Stadt Italiens‘ befinde.

Für Tagesausflüge ist Italien doch ein bisschen weit. Glücklicherweise gibt es in Bayern und im benachbarten Österreich genug interessante Ausflugziele. Ich habe Tage in Salzburg, Innsbruck und Nürnberg verbracht, mir am Herrenchiemsee einen Sonnenbrand geholt und in Polling, einem Dorf in der Nähe von Weilheim, den Bibliothekssaal besucht.

Auch in München sind nicht nur die Theaterbesuche die Mühe wert. Die Geschichte des Wittelsbacher Adelsgeschlechts (und die damit verbundene Werdegang Bayerns) kann man in München ausgezeichnet studieren. Dazu stehen die Residenz, Schloss Nymphenburg, Schloss Schleißheim, das Bayerische Nationalmuseum, und noch zahlreiche andere kleine und große historische Objekte zur Verfügung. Die Kunstsammlung der Pinakotheken ist hervorragend. Es ist schön sich während mehreren Besuche ordentlich Zeit für alle Kunstwerke nehmen zu können. Neben Kunst und Geschichte hat auch die Literatur mit dem Literaturhaus einen festen Sitz in der Stadt. Da läuft im Moment eine interessante Ausstellung zu Oskar Maria Graf. Ein Schriftsteller der eng mit München verbunden ist, und dessen Bücher ich passenderweise hier in München kennengelernt habe (eine absolute Empfehlung, z.B. Das Lebens meiner Mutter oder Wir sind Gefangenen).

Zum Schluss dieses Berichtes noch ein besonderer Moment. Meine Begeisterung für die deutsche Sprache und Literatur und das dazugehörende kulturelle Umfeld fing vor etwa sechs Jahren an, als ich die Lieder Gustav Mahlers in der Interpretation von Thomas Hampson kennenlernte. Ein Liederabend im Concertgebouw, CDs und die zahlreiche Hintergrundinformation die Hampson auf unterschiedliche Weisen für seine Zuhörer zur Verfügung stellt(e), formten damals den Auftakt für eine größere, vielumfassendere Faszination. Am 28. Juli war ich wieder bei einem Mahler-Liederabend von Thomas Hampson, diesmal im Münchner Nationaltheater. Es war ein besonderer Moment, denn über den Jahren ist vieles dazugekommen, aber der Keim für das, womit ich mich heute beschäftige, und einer der Gründe, wieso ich mich heute überhaupt in München befinde, liegt dort. In gewisser Weise hat sich ein Kreis geschlossen.

Vor Anfang einer Vorstellung im Nationaltheater

Das Residenztheater

Abend im Hofgarten

Im Kloster Herrenchiemsee. Ein Blick aus dem Fenster des Zimmers wo 1948 der ersten Entwurf für das deutsche Grundgesetz diskutiert wurde.

 

Een reactie to “Eine Postkarte aus München”

  1. Laura Vollebregt

    Wow, Hanneke, was für ein Text!
    Es freut mich riesig, dass München dir so gut gefällt und, dass du solche tollen Erfahrungen gesammelt hast. Genieße deine letzten Wochen im wunderschönen München!
    Liebe Grüße, Laura

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