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Anna Seidl – Zur emotionalen Wahrheit der Autofiktion

Anna Seidl (UvA)

Zur emotionalen Wahrheit der Autofiktion

Zeitgenössische theoretische Debatten haben mit der Postmoderne den Wahrheitsbegriff grundlegend problematisiert und dessen Stabilität, Universalität und Objektivität infrage gestellt. Inzwischen dominieren Konzepte wie Wahrnehmung und Standpunkt, um die Vielfalt von Interpretationen und Zugängen zur Wirklichkeit zu betonen (Haraway 1988; Lyotard 1979; White 1973). Vor diesem Hintergrund untersucht mein Vortrag das Konzept der emotionalen Wahrheit, wie es in Werken zur Autofiktion zum Ausdruck kommt (Berlant 2000; Gilmore 2023; Sedgwick 2003).
In autofiktionalen Werken sind Intimität, emotionale Wahrheit und narrative Konstruktion eng miteinander verbunden und eröffnen Leser:innen oft Möglichkeiten zur emotionalen Identifikation und Projektion. Emotionale Wahrheiten sind hier keine Frage objektiver Fakten, sondern spiegeln eine glaubwürdige und verkörperte Realität gelebter, empfundener Erfahrungswelten wider (Holliday, 2016).
Der Vortrag beleuchtet emotionale Wahrheit sowohl konzeptionell als auch exemplarisch anhand der ostdeutschen Autorin Julia Schoch. Anhand ausgewählter Passagen aus ihren autofiktionalen Texten (Biographie einer Frau 2022, 2023, 2025) wird aufgezeigt, wie emotionale Wahrheit in der literarischen Praxis ästhetisch wirksam wird.

Montag, 30.3.2026, 19:15 Uhr
Janskerkhof 2/3, Raum 1.09
Last-Minute-Anmeldung: duits@uu.nl