Doro Wiese (Radboud Universiteit Nijmegen)
Wen kümmert’s wer blickt? Feministische Blicktheorien
Im Mittelpunkt dieses Vortrags steht Thomas Stubers filmisches Melodram In den Gängen, das mithilfe feministischer Blicktheorien analysiert werden soll. Schauplatz des Films ist ein Großmarkt irgendwo in Ostdeutschland; Hauptpersonen sind die dort tätigen Lagerarbeiter*innen. Zentral für In den Gängen sind die Erlebnisse von Christian (Frank Rogowski) vom ersten Arbeitstag bis zum festen Arbeitsvertrag. Insbesondere sein Interesse an Marion (Sandra Hüller) beansprucht viel Raum im Film: die Kamera fängt oft Christians beobachtende Blicke ein und zeigt die Interaktionen der beiden Protagonist*innen. Von der Kritik hochgelobt, mit Preisen übersäht und für den Schulunterricht empfohlen ist die problematische Seite der filmischen Blickkonstruktion übergangen worden: In den Gängen hat keine einzige Szene, in denen Marion schaut und sie als Trägerin des Blicks ausgewiesen wird. Mit anderen Worten: Es ist die Gender-Dimension, die die Filmkritik übersehen hat und das, obwohl der Film bei deren Beachtung zu vollkommen anderen Interpretationsmöglichkeiten einlädt. Dieser Vortrag schließt diese Lücke, indem er auf die – in die Jahre gekommenen und immer noch aktuellen – feministischen Blicktheorien zurückgreift. Er zeigt, welche geschlechtlichen Bedeutungen sich aus dem Schauen im Film und im filmischen Schauen konstituieren. Neben einer Analyse des Films werden wichtige feministische Blicktheorien im Zentrum des Vortrags stehen, deren Aussagen wir entlang von ausgesuchten Szenen aus In den Gängen als auch ikonischem Filmmaterial gemeinsam erschließen wollen.
Film:
Stuber, Thomas et al. In den Gängen. Zorro Medien GmbH, 2018. (Bitte schauen Sie sich den Film vor der Veranstaltung an. Er kann auf YouTube, PrimeVideo o.ä. ausgeliehen oder gekauft werden.)
Montag, 2.6.2025, 19:15 Uhr
Janskerkhof 2/3, Raum 1.10
Last-Minute-Anmeldung: duits@uu.nl